Grußwort anlässlich der Gründungsversammlung der "Österreichischen Wachkoma Gesellschaft”

 

Meine Damen und Herren!

 

Das apallische  Syndrom, auch als Wachkoma bezeichnet, gehört zu den schwersten Erkrankungen, die jeden von uns jederzeit treffen können. Erst durch die enorme Entwicklung in der Medizin war es möglich, Patienten mit einer früher tödlich verlaufenden Kopfverletzung, Gehirnentzündung oder auch schwersten Hirnblutungen zu retten, allerdings in manchem der Fälle mit dem Risiko eines verbleibenden Komazustandes, einem apallischen Syndrom. Den ersten Patienten mit einem apallischen Syndrom sind wir hilflos gegenüber gestanden und konnten sie nur pflegerisch versorgen. Durch große Erfahrungen in der Behandlung von Wachkomapatienten wurde es möglich, bei rasch einsetzender Rehabilitationsbehandlung mit modernem Therapie-Programm, ein Drittel der Patienten wieder in ein eigenständiges Leben als unabhängiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft zurückzubringen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein erfahrenes Behandlungsteam und modern eingerichtete Spezialzentren.

 

Die Österreichische Wachkoma Gesellschaft hat die Aufgabe, nach ihrem großen Vorbild, der Deutschen Wachkoma Gesellschaft, unermüdlich aufgebaut von meinem Freund, Herrn Abgeordneten Armin Nentwig, dafür zu sorgen, dass auch in Österreich für Patienten mit einem apallischen Syndrom ein besseres Verständnis, sowohl in politischen als auch in ärztlichen Kreisen entsteht. Spezialzentren sind einzurichten und Nachbehandlungsabteilungen zu adaptieren bzw. aufzubauen.

 

Es ist ethisch nicht zu akzeptieren und menschenunwürdig, einen Patienten mit einem apallischen Syndrom, das keine oder nur eine geringe Rückbildung zeigt, in ein Pflegeheim abzuschieben, oder den völlig überforderten Angehörigen nach Hause zu verlegen. Einrichtungen sind zu schaffen, die die Angehörigen der Patienten beraten.

 

Es tut mir leid, dass ich an der Gründungssitzung der Österreichischen Wachkoma Gesellschaft aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen kann. Mit meiner wissenschaftlichen und organisatorischen Erfahrung werde ich die Wachkoma Gesellschaft intensiv unterstützen und mich dafür einsetzen, dass für unsere Patienten alle modernen Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten und für die leidgeprüften Angehörigen Beratung und Information zur Verfügung stehen. Zutiefst verurteile ich die Einstellung in England und Amerika, unschuldige und hilflose Menschen unversorgt ihrem Schicksal zu überlassen.

 

Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Franz Gerstenbrand