Univ.Prof. Dr. med.
Erich Schmutzhard

Spital: Univ.-Klinik für Neurologie
Adresse: Anichstraße 35
6020 Innsbruck
Telefon: 0043/512/504/3853
0043/512/504/4243
E-mail: erich.schmutzhard@uibk.ac.at

Zitat

Wachkoma ist ein populärer Begriff, der eine contradictio in se birgt. Der Terminus Wachkoma entspricht im deutschsprachigen dem eines apallischen Syndroms, im englischen dem eines vegetative state. Eine sehr wesentliche Unterscheidung ist die eines apallischen Durchgangssyndrom von einem apallischen Defektsyndrom, im englischen entsprechend einem persistent vegetative state. Unsere Erfahrung ist (seit 1987), dass die Zahl der Patienten in einem traumatisch bedingten apallischen Syndrom (vegetative state) in den letzten 10-12 Jahren abnimmt. Dies mag an der sehr guten Notfallsmedizin und an der in den letzten Jahren sich rasant entwickelnden (neurologisch- neurochirurgisch) Intensivmedizin liegen. Letztere dürfte vor allem dafür verantwortlich sein, dass zusätzliche Hirnschädigungen bei Patienten mit einem schwersten Polytrauma, SIRS verhindert werden, nämlich durch Hypoxie, Hyperkapnie und Hypotonie.
Ein wesentlicher Aspekt für die Gründung einer Wachkoma Gesellschaft ist neben den überaus wichtigen gesundheitspolitschen und sozialpolitischen Aufgaben vor allem ein Zusammenführen eventueller wissenschaftlicher Interessen, damit auch Ressourcen für weitere Erforschung dieses Syndroms. Basierend auf eigener Forschung (siehe Kampfl et al., Lancet 1998, sowie Journal of Neurosurgery, 1998), die sich mit den bildgebenden Befunden von Patienten mit einem persistent vegetative state (apallisches Defektsyndrom) traumatischer Natur beschäftigt sowie auf erst vor sehr kurzer Zeit publizierter neuropathologischer Befunde von Patienten im traumatisch bedingten PVS muß eine eigenständige Pathophysiologie und Pathogenese des traumatisch bedingten PVS angenommen werden. Unserer Meinung nach stellen eine in der Initialphase aufgetretene Hypoxie und/oder Hypotonie eine zusätzliche aggravierende Komponente dar für die Entwicklung eines vegetative state (apallischen Durchgangsyndroms) in ein persistent vegetative state (apallisches Defektsyndrom) dar. Der Zusammenschluß von an diesem Krankheitsbild Interessierten böte eventuell die Gelegenheit, eine gemeinsame österreichweite wissenschaftliche Studie zur Beurteilung dieser Fragestellung zu initiieren. Eventuell sollte initial, im Sinne einer Fallkontrollstudie, eine retrospektive Analyse durchgeführt werden, der sich dann bei entsprechendem Ergebnis dieser retrospektiven Analyse eine prospektive Studie anschließen könnte. Die Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck ist gerne bereit, koordinierend und eventuell auch mit entsprechenden Forschungsressourcen (inkl. Personal) hier sich in die Österreichische Wachkoma Gesellschaft einzubringen.

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