Tomatis-Therapie

Begründer der Tomatis-Therapie ist der 1920 in Nizza geborene Dr.med. Alfred Tomatis (Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde). Er entdeckte, dass - abgesehen von pathologischen Ursachen - die eigene Hörbereitschaft auch unbewusst das auditive Wahrnehmungsvermögen verändern kann. In seinen Forschungen interessierte sich Prof. Tomatis vor allem für die Zusammenhänge zwischen Hören und Sprechen sowie für den besonderen Einfluss des psychischen Empfindens auf das Gehör. Dies führte zur Begründung einer neuen wissenschaftlichen Disziplin: Die AUDIO-PSYCHO-PHONOLOGIE ist die Lehre der Beziehung zwischen Ohr, Psyche und Sprache.

Ziel der Anwendung dieser Forschungen ist die Erziehung zum besseren analytischen Hören, zum besseren Zuhören, um eine Harmonie dieser drei Elemente des menschlichen Lebens zu erreichen.

Prof. Tomatis faßte die Ergebnisse seiner Forschungen über die kybernetischen Regelkreise zwischen Ohr und Stimme zusammen; diese drei Tomatis-Gesetze sind auch unter der Bezeichnung "TOMATIS-Effekt" bekannt :

  Die Stimme kann nur Frequenzen wiedergeben, die das Ohr auch wahrnehmen kann. 

Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder unkorrekt wahrgenommene Frequenzen wieder richtig zu hören, so treten    diese augenblicklich und unbewusst wieder in der Stimme in Erscheinung.

Die über einen bestimmten Zeitraum wiederholte akustische Stimulation führt zu einer dauerhaften Veränderung des Gehörs und folglich auch der Stimme.

Neben diesen aus empirischen Studien gewonnenen Gesetzmäßigkeiten ist auch die Kenntnis der Funktionen des Ohres wesentlich für das Verständnis der TOMATIS-Methode. Es ist nur wenig bekannt, dass dem Ohr insgesamt drei Hauptfunktionen zugeordnet werden können :

Das Ohr als Hörorgan 
Ist für die menschliche Kommunikation und die Kontrolle der Stimme zuständig. Im Frequenzbereich der menschlichen Sprache ist das Ohr besonders empfindlich und kann so durch Feedback an das Gehirn die Stimmbildung im Kehlkopf steuern. Funktionsstörungen in diesem Bereich können zu Kommunikationsdefiziten oder zu Stimmproblemen führen.

Das Ohr als Gleichgewichtsorgan 
Ermöglicht die aufrechte Körperhaltung des Menschen und ist direkt mit dem vegetativen Nervensystem verbunden. Damit kann über das Ohr die Kontrolle über die Körpermuskeln und damit die Motorik, die Feinmechanik, die Haltung und vielerlei Spannungszustände beeinflusst werden. 

Das Ohr als Energiespender 
des Gehirns ist die am wenigsten bekannte Funktion. Ein Großteil der von den menschlichen Sinnesorganen an das Gehirn gelieferten Stimuli stammen vom Gehör. Somit kann durch Zuführung vor allem hoher Frequenzen eine primäre Aufladung der Großhirnrinde mit Energie erreicht werden. Dies hat wiederum wesentlichen Einfluss auf die Kreativität, geistige Wachheit und somit auf das grundsätzliche Wohlbefinden des Menschen.

Die wesentliche Leistung der TOMATIS-Methode liegt nun darin, dass sie diese unterschiedlichen Funktionen des Ohres in einer einheitlichen Sicht betrachtet und sie zu einer ganzheitlichen Anwendung zusammenfasst. Durch die gezielte Einflussnahme in den verschiedenen Funktionsbereichen des Ohres während des TOMATIS-Hörtrainings (tiefe Frequenzen - Motorik, mittlere Frequenzen - Kommunikation, hohe Frequenzen - Energie) können nicht nur die beschriebenen körperlichen Funktionen korrigiert, sondern auch die darunterliegenden psychischen Problemfelder erfasst werden.

So kann TOMATIS in einer sanften Trainingsform bislang verschlossene oder verlorengegangene Potentiale eines Menschen wieder aktivieren und ihm eine optimale Basis zur Bewältigung seiner individuellen Lebenssituation schaffen.


Anwendungsbereiche der TOMATIS - Methode

Durch ein auf dem TOMATIS-Effekt beruhendes Training des Ohres kann die TOMATIS-Methode in folgenden Bereichen Hilfe anbieten:

- bei Verhaltensauffälligkeiten und Schulproblemen
- bei Kommunikations- und Konzentrationsschwierigkeiten
- bei körperlichen und geistigen Behinderungen
- als Unterstützung bei Rehabilitationen 
- zur Gehör- und Stimmbildung für Künstler 
- als begleitende Geburtsvorbereitung 
- zur Erhöhung der Lebensqualität


Unterstützung bei Therapien und Rehabilitationen

Die begleitende Anwendung der TOMATIS-Methode hilft auch, die Ergebnisse anderer Therapieformen wesentlich zu verbessern. Durch Anregung des vestibulären Systems über das Gleichgewichtsorgan im Ohr beeinflusst ein TOMATIS-Horchtraining die Körpermotorik und reguliert den Muskeltonus. So können Verspannungen, die zum Beispiel aus Angst vor der Bewegung, vor dem Schmerz herrühren, gelockert werden. Das Horchtraining nach TOMATIS entspannt den Klienten, motiviert ihn zu den Therapieübungen und verbessert ganz allgemein seine Körperwahrnehmung. Die Blockade der Beweglichkeit wird durch das Horchtraining aufgelöst, und so können dann andere Therapieformen wesentlich rascher Fortschritte erzielen. Die akustische Stimulation des Horchtrainings erhöht aber auch die Wahrnehmung und Verarbeitung des Gehörten und beeinflusst so auch wesentlich das Sprachvermögen des Klienten.

Aus diesen Gründen ist die Anwendung eines TOMATIS-Horchtrainings besonders in Zusammenhang mit folgenden Therapien empfehlenswert :

- Alle Arten von Physiotherapien, inbesondere 
- Rehabilitationen nach Verletzungen
- Rehabilitationen nach Schlaganfällen, aber auch
- Cranio-Sacrale Osteopathie
- Logopädie
- Ergotherapie
- Hippotherapie
- etc.

Anwendungsbereiche bei körperlichen und geistigen Behinderungen

Bei der Betreuung von Behinderungen aller Art geht es im Rahmen der TOMATIS-Methode primär um zwei Aspekte :

- Körperwahrnehmung und Körperkontrolle
Jeder Muskel des menschlichen Körpers wird vom vestibulären System gesteuert. Ein wesentlicher Teil des Vestibulums ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr. Durch akustische Stimulation des Ohres wird auch das Vestibulum angeregt. Dies bewirkt oft sehr rasch eine Veränderung im Muskeltonus. Als Ergebnis des TOMATIS-Trainings werden sowohl bei körperlichen als auch bei geistigen Behinderungen folgende Verbesserungen festgestellt : Es kommt zu einer besseren Wahrnehmung der eigenen Körperfunktionen. Hand in Hand damit geht vor allem eine verbesserte Körperkontrolle: die feinmotorischen Fähigkeiten werden erhöht, das Gangbild wird verbessert, oftmals wird das Sauberwerden erreicht. Bei Lähmungen und Krämpfen wird die Entspannung der betroffene Körperteile ermöglicht. Durch Aufrichtung der Statur und Spannung von vorher erschlafften Muskelpartien wird ein wesentlich verbessertes Erscheinungsbild und Körperbewusstsein vermittelt. Diese Verbesserungen werden nicht nur für die Außenwelt klar ersichtlich, sie übertragen sich vielmehr auch direkt auf die innere Befindlichkeit des Behinderten.

- Kommunikationsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit
Diese direkten körperlichen Änderungen wirken sich aber auch indirekt auf die oftmals gestörte Kommunikation des Behinderten aus. Einerseits ermöglicht die Aufrichtung und die neu erlangte Körperkontrolle erst die sprachliche Kommunikation mit den Mitmenschen. Andererseits wird durch die Anregung des Gehörs im Bereich der schlecht wahrgenommenen Frequenzen eine wesentliche Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten erreicht. Daher wurde schon oftmals beobachtet, dass Behinderte durch eine TOMATIS-Kur vom unbewussten Lautieren zu bewusstem Sprechen geführt werden konnten. Körperlich oder geistig Behinderte lösen sich aus ihrer versponnenen Abgeschlossenheit und finden zu einer offeneren Haltung gegenüber ihrer Außenwelt.

Literatur

Alfred A. Tomatis
- Der Klang des Lebens (Rowohlt Taschenbuch VLG, Reinbek 1987)
- Klangwelt Mutterleib (Kösel-Verlag GmbH, München 1994)
- Das Ohr und das Leben (Walter Verlag, Düsseldorf 1995)
- Der Klang des Universums (Artemis und Winkler, Düsseldorf und Zürich, 1997)
- Das Ohr - die Pforte zum Schulerfolg (verlag modernes lernen, Borgmann KG, Dortmund, 1998)

Don Campbell
- Die Heilkraft der Musik (DELPHI bei Droemer, München 1998)

Regina Leupold
- Zentrale Hörwahrnehmungs- Störungen. Auswirkungen und Erfahrungen. (Modernes Lernen, Dortmund 1998)


Quelle:
TOMATIS Institut Wien
Kontakt: Tinkl Hilde
1140 Wien, Serravagasse 6
E-mail:hilde.tinkl@tomatis.at
Tel. 01/8943146
Fax: 01/8974346
Website: www.tomatis.at


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