Die 7 Remissionsphasen

Vom Koma bis zum vollen Bewusstsein durchläuft der Patient 7 Remissionsphasen. Im Verlauf bestehen zwischen den einzelnen Phasen fließende Übergänge und die Dauer der einzelnen Phasen kann von unterschiedlicher Länge sein. Nicht alle Patienten durchlaufen alle Stadien, einige Patienten können auch in einer früheren Phase verbleiben. Eine Rückbildung kann nach kurzer Zeit eintreten, aber auch erst nach monatelangem Bestehen des Vollbildes eines apallischen Syndroms (= Wachkoma).

  Phase 1. Koma  
  Phase 2. Coma vigile - apallisches Syndrom - Wachkoma  
  Phase 3. Primitiv-psychomotorische Phase  
  Phase 4. Phase des Nachgreifens  
  Phase 5. Klüver-Bucy Phase  
  Phase 6. Korsakow-Phase  
  Phase 7. Integrationsstadium

 

 

Phase 1 - Koma

  tiefe Bewußtlosigkeit
kein Augenöffnen auf Schmerz

Phase 2 - Coma vigile - apallisches Syndrom - Wachkoma

  keine emotionelle Reaktion
lange Schlaf- und kurze Wachphasen in Abhängigkeit von Belastungsmomenten
Augen sind für längere Zeit geöffnet
Reflektorische Primitivmotorik auf Schmerzreize und pflegerische Maßnahmen
Motorische Primitivschablonen im Sinne von Massenbewegungen auf äußere Reize verschiedenster Art
Wischbewegungen, orale Mechanismen
Ausgeprägter Hypertonus (Spastik)

Phase 3 - Primitiv-psychomotorische Phase

undifferenziertes ängstliches Verhalten
zunehmend differenzierter werden ängstlicher Ausdruck in Augen und Mimik
Schwitzen
Wachphasen beginnen sich an der Tageszeit zu orientieren
Patienten halten für kurze Zeit Blickkontakt
bedingtes optische Fixieren ist möglich, jedoch noch kein Erkennen (zunächst auf akustische, später
      auf optische Reize). Patient beginnt den Kopf zu drehen.
Psychomotorische Unruhe - Abwend-, Wisch- und Strampelbewegungen - teilweise noch mit Massen-
      bewegungen verbunden
Eßtraining wird möglich
rigider Haltungstonus wird lockerer

Phase 4 - Phase des Nachgreifens

Ungeduldiges Verhalten bei der Pflege, in der Therapie (Patient dreht den Kopf weg, schließt die Augen)
erste mimische Reaktionen - ein Lächeln oder Schmollen können beobachtet werden
sicheres optisches Fixieren und Folgen von Gegenständen und Personen, die sich im Gesichtsfeld des 
      Patienten befinden
es wird alles in den Mund gesteckt, allerdings ohne jegliche Absicht dahinter
Unmutsbrummen, "ein Lallen" kann beobachtet werden
gezieltere motorische Aktivitäten - Hand öffnen & schließen, allerdings noch mit fehlender Kraftdosierung 
      - dies betrifft vorallem das Festhalten und Loslassen
Patient greift gezielter nach Gegenständen - greift aber auch gerne in das Essen
Nachlassen des Hypertonus
dem Patienten fehlt noch ein komplettes Verständnis für die Situation
dem Patienten fehlt noch die sprachliche Verständigung
optisches Verfolgen von Gegenständen und Personen außerhalb des Gesichtsfeldes sind noch 
      nicht möglich
Patient kann noch nicht auf verbale Aufforderung reagieren

Phase 5 -  Klüver-Bucy Phase

rasch wechselndes Affektverhalten mit zornigen Reaktionen und anschließendem Schmeichel-, 
      Streichelverhalten
Gefühle wie Freude und später auch Trauer werden differenzierter
bedingtes Sprach- und Situationsverständnis
Code-Sprache ist möglich
Personen können bereits unterschieden und wiedererkannt werden
zunehmender Einsatz von Sprache - ja/nein - bei manchen Patienten ist die Sprache innerhalb kürzester
      Zeit wieder da
beherrschte Fähigkeiten setzen langsam wieder ein
Koordination und Kraftdosierung werden sicherer und gezielter
      - Hand geben & wieder loslassen
      - Löffel halten und wieder gezielt ablegen
      - gute Rumpf- und Kopfkontrolle
      - Gehen mit Hilfestellung
      - mit Einsetzen der Willkürmotorik oft gleichzeitige Entwicklung spastischer Bewegungsabläufe
motorische Schablonen treten auf (zB Handkuß geben)
Eßsucht
fehlendes Schamgefühl kann beobachtet werden
dem Patienten fehlt noch die Orientierung zu Zeit, Personen, Ort
fehlendes Realitätsbewusstsein & fehlende Kritikfähigkeit
Inkontinenz
Patient kann eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten noch nicht richtig einschätzen

Phase 6 -  Korsakow-Phase

Bewußtwerden der eigenen Stimmung - das Gefühlsleben eerwacht wieder: es kann nun auch Trauer
      gefühlt werden
euphorisch-depressive Stimmungslage
Aufbau der Sprache (hier ist die logopädische Unterstützung sehr wichtig)
Orientierungsphase
Personen können nun auch benannt werden; ebenso werden erste Wünsche konkret benannt.
Bewußtwerden der eigenen Situation (Suizidgefahr!)
Abbau der Bewegungsschablonen
komplexe und koordinierte Bewegungsabläufe werden möglich
eigeninitiiertes Handeln ist ansatzweise zu beobachten
freies Laufen
Einschätzen der eigenen Situation und damit Zukunftsperspektive gelingt dem Patienten noch nicht.
teilweise können. Ausfälle im Kurz- und Mittelzeitgedächtnis beobachtet werden
häufig starke Diskrepanz zwischen der geistigen und motorischen Leistungsfähigkeit - letztere
      beeinträchtigt durch erhebliche Beuge- und Streckspasmen

Phase 7 -  Integrationsstadium

Die Orientierung ist weitgehend vorhanden und ein sinnvolles Handeln ist möglich. Der Patient kann 
      Aufträge befolgen und somit ist eine sehr gute Mitarbeit in der Therapie möglich.
Der Patient beginnt, sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und plant seinen Tagesablauf.
Berufswünsche werden geäußert, Zukunftspläne werden geschmiedet - der Patient orientiert sich
      verstärkt nach außen.
Im Rahmen seiner motorischen Fähigkeiten wird der Patient zunehmend unabhängiger.
In den meisten Fällen ist der Patient sowohl harn- als auch stuhl-kontinent.
Die Einstellung zu sich selbst und zur eigenen Behinderung ist wieder "positiver".
Es können eine Reihe von Problemen bestehen bleiben, die für den Patienten in weiterer Folge
      hinderlich sein können:
      - Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen
      - Konzentrationsschwäche
      - hochgradige Sehstörungen bzw. Blindheit
      - andere körperliche Behinderungen
      - Distanz- und Kritikschwäche des Patienten
      - leichte Reizbarkeit & Ablenkbarkeit
      - mangelnder Antrieb
      - geringe Flexibilität

Quelle: 7 Remissionsstufen im grobschematischen Überblick in Anlehnung an F. Gerstenbrand

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