Hilfestellung bei Lagewechsel und Transfer

Es gibt immer mindestens 2 Varianten, um den Patienten zu mobilisieren. Eine aktive Variante, bei der der Patient selbst mithelfen muss und eine passive Variante, wenn der Patient nicht fähig ist, selbst mitzuhelfen. Natürlich können die verschiedensten Möglichkeiten kombiniert werden.

Die Hilfestellung muss dem Zustand des Patienten so angepasst sein, dass die Bewegungen durch gezielte Unterstützung des Helfers gut durchgeführt werden können. Die Unterstützung darf aber nur so groß wie notwendig sein, sie soll den Patienten nicht in seiner Eigenaktivität einschränken. Der Bewegungsauftrag an den Patienten muss klar formuliert sein und mit Hilfestellung gut koordiniert werden. Für den Helfer bedeutet richtige Hilfestellung durch den ökonomischen Krafteinsatz eine Arbeitserleichterung. Die ökonomische Arbeitshaltung während der Hilfestellung verhindert Wirbelsäulen- und Gelenksbeschwerden.

Rutschen Passiv
Drehen Passiv
Aufsetzen Passiv
Niederlegen Passiv
Schinkengang Passiv
Transfer Passiv 


RUTSCHEN PASSIV

 in Seitenlage:            Patient ist leichter zu handeln, die Reibung wird vermindert, es ist nur eine Person notwendig

 

Hilfestellung von hinten:          (mögliche Rutschrichtung: auf gleicher Höhe / kopfwärts / fußwärts)

                                               Helfer steht hinter dem Patient, beide Hände unter Beckenschaufel. Der Helfer geht in die Knie, Arme gestreckt und zurücksetzen (nicht mit Schwung, Finger nicht in den Patienten bohren). Sollte der Patient kippen, eine Hand auf die obere Beckenschaufel legen.

Schulter nachrücken, indem die untere Hand unter die Schulter/Skapula, die obere Hand auf das Sternum gelegt wird. Der Patient kann, wenn möglich, mit seinem freien Arm mithelfen.

 

Hilfestellung von vorne:           (mögliche Rutschrichtung: auf gleicher Höhe / fußwärts)

Helfer steht vor dem Patienten, untere Hand auf die Beckenschaufel, die obere Hand umgreift die Kniekehlen. Der Helfer geht in die Knie, streckt die Arme und setzt sich zurück.

 

 in Rückenlage:   

mit 2 Personen:                        Variante wenn der Patient den Kopf halten kann:

            Helfer stehen sich am Bett gegenüber, Hände treffen sich unter den Schulterblätter und Gesäß
            des Patienten (Hakengriff / Turnergriff). Wenn es die Größe der Helfer zulässt Stirn an Stirn - mit
            Kommando rutschen.

                                             Variante wenn der Patient den Kopf nicht halten kann: 

                                             Ausgangsstellung wie oben. Hände treffen sich nur unter dem Gesäß des Patienten. Ein
            Helfer hält den Kopf, der andere hält die Oberschenkel distal.

                

DREHEN PASSIV

Drehen von der Rückenlage in die Seitenlage:

Wichtig bei jeder Drehung: genügend Platz auf der Seite, zu der gedreht wird; der untere Arm des Patienten soll nicht im Weg sein.

Ohne Rotation der Wirbelsäule:
(bei Wirbelsäulenverletzung kann die Rotation verboten sein). Besonderes Augenmerk auf die Bewegung des Rumpfes en bloc legen! Beide Füße aufstellen, und mit Helfer Knie fixieren. Kopf, Schultergürtel und Becken gleichzeitig drehen. Der Helfer steht auf der Seite, zu der gedreht wird und hat je eine Hand an Schulterblatt und Becken des Patienten.

Drehen mit Rotation:
Füße aufstellen, zuerst Knie, dann Arme und Kopf zur Seite drehen. Hilfestellung am Schulterblatt und Becken oder Knie. Ist nach einer Hüftgelenksoperation die Abduktion des Beines verboten, so kann ein Polster zwischen die aufgestellten Beine gegeben werden.

Drehen aus der Seitenlage in die Bauchlage:

Vorsicht bei Kontrakturen, Herz- Kreislaufproblemen, Kanülen, frischen OP im Bauchbereich, usw. Ausgangsstellung ist eine stabile Seitenlage. Den unten liegenden Arm nach oben (bei freier Beweglichkeit der Schulter) oder unter die Hüfte legen (Handfläche zum Körper). Anschliessend gebeugtes Bein strecken. Mit dem oberen Arm könnte der Patient durch Abstützen die Drehung bremsen, wenn das nicht möglich ist, soll der Helfer an Hüfte und Schulter bremsen.

Drehen aus der Bauchlage in die Seitenlage:

Auf den Arm, über den gedreht wird, achten! Kopfstellung beachten! Den Arm, über den gedreht wird, unter der Hüfte plazieren (Handfläche zum Körper). Anschliessend wird mit Griffen an Becken und Knien wieder die stabile Seitenlage eingenommen.

Hilfestellung: Eine Hand unterstützt die Beckendrehung, die andere Hand das Hochziehen des Beines in der Kniekehle.

 

AUFSETZEN PASSIV

Prinzipiell über die Seitenlage aufsetzen. Der Patient muss zuerst so weit auf die Seite gerutscht werden, dass in der Seitenlage, bei angebeugten Beinen (90° Hüftflexion, 90° Knieflexion), die Oberschenkel bis zur Kniekehle zur Gänze auf dem Bett liegen! Ist das nicht der Fall, so kann der Helfer durch Druck an den Knien mit seinen Oberschenkeln und durch Zurückschieben des Beckens mit beiden Händen den Patienten zurückschieben.

Passives Aufsetzen (Schuhe liegend anziehen):
Ausgangsstellung Seitenlage: Beide Beine gut anbeugen und den Unterschenkel aus dem Bett schieben.

Hilfestellung: Ein Arm des Helfers greift unter die unten liegende Schulter auf das Schulterblatt und unterstützt die Hebung des Oberkörpers, während die andere Hand von hinten auf die obere Schulter greift und durch Druck die Hebung des Kopfes und die Verkürzung der oberen Seite stimuliert. Mit den Oberschenkeln fixiert der Helfer die Knie des Patienten.

 


NIEDERLEGEN PASSIV

Niederlegen aus dem Sitz in die Seitenlage:
Um eine optimale Sicherung des Patienten zu gewährleisten, muss er soweit am Bett sitzen, dass die Kniekehlen den Bettrand berühren. Hilfestellung wie beim Aufsetzen, nur hat jetzt der Helfer keine hebende, sondern eine bremsende Funktion. Zuerst den Oberkörper langsam hinlegen (Vorsicht bei mangelnder Kopfkontrolle des Patienten), dann die Beine ins Bett bringen.

 


SCHINKENGANG PASSIV

Es muss immer ein Bein des Patienten fixiert sein, sonst besteht die Gefahr, dass der Patient vom Bett rutscht!  
Zum Vor- und Zurückrutschen auf der Sitzfläche notwendig.
 
Vorbereitung für die physiologische Belastung: Verlängerung der belasteten Seite und Rotation zur Gegenseite.

Schinkengang zum Vorrutschen:
Hilfestellung: Knie der zu belasteten Seite fixieren. Durch Griff (unter Achsel) auf die Scapula, wird Gewicht auf die gleiche Seite verlagert mit dem Ziel der Verlängerung der belasteten Seite. Die andere Hand unterstützt die Hebung und das Rutschen der gegenüberliegenden Beckenseite.

Schinkengang zum Zurückrutschen:
Hilfestellung: Griffe wie oben. Der Helfer schiebt noch zusätzlich mit seinem Oberschenkel das Knie der unbelasteten Beckenseite zurück. 

 
TRANSFER PASSIV

Bett-Rollstuhl / Sessel:
Der Sessel steht im rechten Winkel neben dem Bett. Patient rutscht mit Hilfe des Schinkenganges bis zur Bettkante. Knie des Patienten hinunterdrücken und darauf achten, dass der Patient mit beiden Füßen gut am Boden steht. Belastungslinie beachten (Zehenspitzen stehen von oben beachtet unter Kniescheibe). Wichtig: Das sesselseitige Knie des Patienten muss während des Transfers fixiert werden! Die sesselseitige Hand greift flächig unter das (Sitzbein). Die andere Hand greift unter der Achsel auf die Scapula; Oberkörper nach vor neigen und den Patienten in den Stand bringen. Den Patienten langsam zum Rollstuhl drehen und behutsam niedersetzen. (Gesäß möglichst weit zur Rollstuhllehne setzen).

Zurückrutschen am Sessel:
Der Helfer greift unter den Achseln auf die Schulterblätter und zieht den Oberkörper des Patienten so weit vor, bis sich das Gesäß abhebt. Dann schiebt er mit den medialen Condylen seines Kniegelenkes die lateralen Condylen des Patienten zurück.

Sessel – Sessel: (Rollstuhl, Toilette)
Die Sitzgelegenheiten sollen im rechten Winkel zueinander stehen. 
(siehe Transfer Bett – Sessel oder Zurückrutschen am Sessel)

Sessel – Bett:
(Sessel wieder 90° zum Bett) Mit Schinkengang etwas am Sessel vorrutschen, beide Füße gut belasten (Belastungslinie!), Knie des Patienten fixieren und Oberkörper nach vorne neigen, aufstehen und den Patienten zum Bett drehen. Mit einer Hand den Oberschenkel des Patienten heben, und die eine Beckenseite mit „Helferoberschenkel“ auf das Bett hinaufschieben.

Wichtig: Das Knie des anderen Beines gut fixieren, mit der anderen Hand durch Griff unter der Achsel hindurch auf das Schulterblatt den Oberkörper fixieren. Griffwechsel, anderes Knie des Patienten ins „Körbchen“ nehmen und ins Bett schieben. Dann mit Schinkengang weiter zurück.

Quelle: Pflegestandards - ACU Team 2001
Projekt: Langzeitbetreuung von Patienten mit Apallischem Syndrom
Geriatriezentrum am Wienerwald
, Neurologie-Pav. XI
1130 Wien,
Jagschlossgasse 59

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