Lagerung bei Patienten mit Apallischem Syndrom

verwendete Literatur: Christa Schwörer „Der apallische Patient“
Aktivierende Pflege und therapeutische Hilfe im Langzeitbereich
2. Auflage Gustav Fischer Verlag

  Rückenlagerung bei Streckmuster
  Rückenlagerung bei Beugemuster  
  Seitenlagerung
  Bauchlagerung (allgemein)
  Bauchlagerung auf der Matratze/Matte
  Bauchlagerung: Kopf und Arme über Matratze/Matte
  Besondere Hinweise

Rückenlagerung bei Streckmuster

Pathologisches Muster:
Kopf nach hinten überstreckt

Lagerung:
   
Den Kopf des Patienten in leichter Beugestellung unterlagern. Seitendominanz durch Gegenlagern ausschließen.

Pathologisches Muster:
   
Arme, Hände – gestreckt, innenrotiert bei eingeschlagenem Daumen: Arme adduziert!  
    Vorsicht
: Bei allen Handlungen nicht in die Handflächen greifen, hierdurch würde ein erneuter Faustschluss provoziert werden.

Lagerung:
   
Lagerungskissen /-block, besonders zwischen Oberarm und Rumpf; Arme, Hände in Mittelstellung lagern, leichte Flexion
    (Beugung) im Ellenbogengelenk. Faustschluss unterbinden durch Bohnen- /Reissäckchen (weil besonders atmungsaktiv), aber 
    auch durch Schaumstoffbälle, „Schweizer – Käse“. In besonders hartnäckigen Fällen empfiehlt sich eine Lagerungsorthese, 
    z. B. bei einem rigiden Haltungstonus. 
   
Bei Lagerungsorthesen ist eine Funktionsstellung der Hand zu empfehlen.

Spastisches Muster in den unteren Extremitäten:
   
Hüfte: Innenrotation, Adduktion und Extension auch in den Kniegelenken, Scherenstellung der Beine.
   
Füsse: Spitzfußstellung sowie Vorfußadduktion.

Beachten:

Die gebeugten Beine so abstützen, dass sie nicht nach aussen fallen

Die Schmerzgrenze des Patienten berücksichtigen

Kontrakturen registrieren

Rücksprache mit den Fachtherapeuten halten.


Lagerung:
   
Beide Beine in Beugestellung soweit unterlagern, dass kein neuer Streckspasmus ausgelöst wird, jedoch nicht in mehr als 90°
    Knie- und Hüftflexion lagern.

 
Beachten:

Kreislaufsituation

Beine im Oberschenkelbereich weit abduzieren

sinkt die Hüfte seitlich ab, mit Keilkissen oder Sandsack etc. abstützen; Beine in Mittelstellung lagern

Kein Gelenk darf hohl liegen, abgesehen von einer speziellen, individuellen Zielsetzung der Physiotherapeuten

Spitzfußprophylaxe, d. h. Lagerungskissen etc. vor dem Bettverkürzer 

Fersen frei lagern – Dekubitusprophylaxe

Lagerung unter Umständen korrigieren.

Rückenlagerung bei Beugemuster

    (Kopflagerung in Verlängerung der WS)

 Pathologisches Muster obere Extremitäten:
    Adduktion und Innenrotation der Arme, Flexion im Ellenbogen, Palmarflexion und Pronation im Handgelenk, Faustschluss mit         eingeschlagenem Daumen.

  Lagerung:
   
Lagerungsblock (evtl. Sandsack) zwischen Armen und Rumpf so anbringen, dass sich sowohl die Adduktion der Arme als auch
    die Flexion im Ellenbogengelenk ausschließen. Auf Druckstellen achten!
   
Faustschluss unterbinden durch Bohnen- / Reissäcke, elastische Frotteerollen, Schaumstoffball oder „Schweizer – Käse“.
    Daumen gut abduzieren.

  Pathologisches Muster untere Extremitäten:
   
Adduktion, Innenrotation der Beine, Flexion in Hüft- und Kniegelenk, Spitzfußstellung oder Hackenfußentwicklung.

  Lagerung:
   
(siehe Streckmuster) hier jedoch

die Beugung weniger betonen

auf eine besonders weite Abduktion der Beine achte

Beine ganz unterlagern, Fersen liegen frei 

Spitzfuß- und Dekubitusprophylaxe, zur Spitzfußprophylaxe mit weichem Schaumstoffblock gegenlagern.

 Füße:
   
Bei hartnäckiger Spastizität oder einem rigiden Haltungstonus entwickeln sich recht bald diverse Fehlstellungen, besonders in
   
die Spitzfuß- und Valgusstellung (-position), die sich meist trotz physiotherapeutischer Behandlung und sorgfältiger Pflege nicht
    aufhalten lassen. Auch hier muss letztendlich auf eine Versorgung mit Lagerungsorthesen oder entsprechenden orthopädischem
    Schuhwerk ausgewichen werden, insbesondere dann, wenn im Heimbereich die Physiotherapie nicht kontinuierlich durchgeführt
    werden kann.

  Lagerung:
   
Füße in korrigierter Stellung lagern, u. U. in die Orthese einlagern, gegenlagern (mit Sandsäcken, Lagerungsblöcken), dabei auf
    eine flexible Fußstütze achten, d. h., den Bettverkürzer auch als solchen einsetzen und zur Korrektur des Spitzfußes einen
    Schaumstoffblock oder ein spezielles Lagerungskissen verwenden. Gute Dorsalflexion, bei leicht gebeugtem Knie, im Fußgelenk
   
beachten; die Ferse liegt frei – Druckentlastung. 

Hinweis:
   
Die langjährige Immobilisation mit fehlender vertikaler  Schwerkrafteinwirkung führt zu ausgeprägter Immobilisationsosteoporose;
    die muskuläre Inaktivität verstärkt dies durch fehlende Biegebeanspruchung des Knochens; die spastische Tonuserhöhung führt
    zu Gelenksfehlstellungen und Luxationsneigungen.

    Sowohl Pflegeteam als auch Therapeutenteam müssen sich im gelenkschonenden Arbeiten üben. Ein rasches, ruckartiges,
    unkontrolliertes Vorgehen, z. B. beim Umlagern, An- und Ausziehen, Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl u. ä. ist zu vermeiden.

 

  Seitenlagerung

    Lagerung:
    Auf Abduktion der Beine achten, den/das oben aufliegende/n Arm/Bein unterlagern, dabei wird das oben aufliegende Bein so gelagert, 
    dass Trochanter (Hüfte), Knie- und Fußgelenk eine horizontale Ebene im 90°-Winkel bilden. Abduktion, Außenroation und Elevation in 
    Schulter, Flexion oder Extension in Ellenbogen. Zusätzlich die beschriebenen Aspekte der Hand-/Armlagerung beachten. Die aufliegende
    
Schulter (unten) etwas vorziehen, den unterliegenden Arm abduzieren gestreckt, auenrotiert oder abgewinkelt (nach oben) neben den
    Kopf ablegen. Den Kopf mit einem kleinen Kissen (Schulter liegt frei auf!) unterlagern.

    Ein fester Schaumstoffblock zwischen dem Bettgitter und dem Rücken des Patienten verhindert ein Zurückfallen in die Rückenlage und
    vermittelt dem Patienten gleichzeitig Sicherheit.  

 

    Bauchlagerung

   In der Spastikbehandlung gehört die Bauchlagerung zu den therapeutisch wirksamsten Lagerungsformen, besonders bei einem  Beugemuster.

Zielsetzung:

Entlastung des Gesäßes  

Extension der Wirbelsäule mit entsprechender Korrektur von Kopf und Schulter (z. B. bei Skoliose)  

Dehnung in HWS, Schulterblatt, Schulter hemmt (löst) spastischen Bewegungsablauf  

bahnt, stabilisiert Kopfkontrolle  

unterstützt Therapie bei Raum-/Lagestörungen  

kräftigt HWS, Schulter-, Brust- und Armmuskulatur, z. B. bei zusätzlichem Angebot von Beschäftigungen

 

Bauchlagerung auf der Matratze/Matte

Bleibt der Patient in seinen Bewegungsausmaßen ohne Einschränkungen, so kann die Bauchlagerung ohne Hilfsmittel geschehen. Vorher Spasmus lösen.

Lagerung:

Zur Entlastung anfangs unter den Brustkorb ein kleines Kissen oder einen flachen Keil legen. Die Arme abduzieren mit leichter Beugung im Ellenbogengelenk, vor dem Körper ablegen. Die Daumen abduzieren, die Finger strecken, auf die Unterlage ablegen. Den Kopf mit dem Gesicht zur Seite auf kleinen Kissen ablegen. Bei Seitendominanz in die Gegenrichtung lagern – z. B. Skoliose. Bei starkem Speichelfluss hier besonders auf entsprechende Unterlagen achten.

Untere Extremitäten:

Ein Abduktionskissen oder einen Keil zwischen die Beine legen, die Hüften eventuell gegenlagern. Spitzfußprophylaxe: entfernt man den Fußteil des Bettes, lassen sich die Füße des Patienten über die Matratze legen, wobei eine optimale Streckung in Hüfte und Knie gewährleistet ist.  

Bauchlagerung: Kopf und Arme über Matratze/Matte

Wird das Kopfteil des Bettes entfernt, der Patient bei Beginn der Kopfkontrolle bis zur Achselhöhe vorgezogen (gelegt), hängen Schultergürtel und Kopf frei. Mit diesem großen Bewegungsradius kann der Patient verschiedene Beschäftigungsangebote annehmen und durchführen. Vielleicht findet sich ein alter Tisch, dessen Höhe sich (z.B. durch Verkürzen der Beine) so einstellen lässt, dass der Patient seine Arme, bei angewinkeltem Ellenbogen, nach unten darauf ablegen kann.

Der Patient kann sich abstützen, hat aber gleichzeitig eine optimale Arbeitsfläche. Bei noch mangelnder Kopfkontrolle erhält der Patient die Möglichkeit seinen Kopf zur Entspannung auf einem vor ihn liegenden Schaumstoffblock abzulegen.


Untere Extremitäten:

Abduktionskeil, Hüfte eventuell gegenlagern, Unterschenkel leicht unterlagern (Spitzfuß).

Lagerungskeil:

Eine Lagerung über den großen Lagerungskeil bietet im Rahmen der ergotherapeutischen Behandlung eine gute Ausgangsposition.

Die Patienten zeigen sich nach einer kurzen Gewöhnungsphase recht motiviert. Alle Lagerungskriterien entsprechen der bisher beschriebenen Bauchlagerung.

Bei großen Patienten muss hier eventuell die Beinlagerung besonders überlegt werden.

 

Besondere Hinweise

Lagerungszeiten auf den einzelnen Patienten abstimmen, mit dem Arzt, auch dem Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten absprechen und Lagerungszeiten in das Berichtsystem eintragen (gewährleistet Kontinuität!)  

Lagerung korrigieren – innerhalb der Lagerungszeit  

Patienten beobachten:  eigene Bewegungsmöglichkeiten

Atmung/Kreislauf 

kommunikative Fähigkeiten, Ruf-/Klingelzeichen vereinbaren

Eine Lagerung ist nie absolut, sie wird sich immer wieder neu den Bewegungsmöglichkeiten und dem AZ des Patienten anpassen müssen.

Die individuelle Lagerung der Patienten sollte immer im multidisziplinären Team (in Anlehnung an das Bobath-Konzept) entwickelt werden.

Quelle: Pflegestandards - ACU Team 2001
Projekt: Langzeitbetreuung von Patienten mit Apallischem Syndrom
Geriatriezentrum am Wienerwald
, Neurologie-Pav. XI
1130 Wien,
Jagschlossgasse 59

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